Tarotkarten ziehen Menschen durch ihre Symbolik, ihre geheimnisvolle Atmosphäre und die Möglichkeit an, vertraute Situationen aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Ein Deck aus 78 Karten kann Anfängern jedoch zu kompliziert erscheinen: Jede Karte hat ihre eigene Bedeutung, ihr eigenes Motiv, ihre Symbole und zahlreiche Deutungsmöglichkeiten.

Das Tarot lernt man am besten Schritt für Schritt. Sie müssen nicht versuchen, sofort alle Bedeutungen auswendig zu lernen oder komplexe Legungen durchzuführen. Viel wichtiger ist es, sich mit dem Aufbau des Decks vertraut zu machen, die Bilder aufmerksam zu betrachten und regelmäßig zu üben.

Bestimmen Sie, warum Sie Tarot lernen möchten

Bevor Sie ein Deck kaufen, ist es hilfreich, sich eine einfache Frage zu beantworten: Wozu brauchen Sie die Karten? Manche Menschen nutzen das Tarot als Werkzeug der Selbsterkenntnis und zur Betrachtung von Lebenssituationen. Andere interessieren sich für die Geschichte, die Symbolik und die Mythologie, die sich in den Bildern widerspiegeln. Wieder andere möchten lernen, Beratungen durchzuführen oder Legungen für Freunde zu machen.

Wenn Sie Ihr Ziel kennen, fällt es leichter, den passenden Lernweg zu wählen. Dabei müssen Sie die Karten nicht als Mittel zur genauen Vorhersage der Zukunft verstehen. Das Tarot lässt sich als metaphorisches Werkzeug nutzen, das hilft, Fragen zu formulieren, innere Widersprüche zu erkennen und mögliche Entwicklungen zu betrachten.

Wählen Sie ein passendes Deck

Für das erste Deck wird am häufigsten das Rider–Waite–Smith-Tarot empfohlen. Die meisten Lehrbücher, Kurse und Nachschlagewerke beruhen gerade auf seinen Bildern. Die Karten dieses Systems zeigen verständliche Bildszenen, sodass es Anfängern leichter fällt, die Bedeutung einer Karte mit ihrer Illustration zu verbinden.

Achten Sie bei der Wahl eines Decks auf einige Punkte:

  • Die Bilder sollten Interesse und eine emotionale Resonanz wecken;
  • Symbole und Details sollten gut erkennbar sein;
  • die Karten sollten gut in der Hand liegen;
  • zum Deck sollte möglichst ein verständliches Begleitbuch gehören.

Wählen Sie Ihr erstes Deck nicht allein nach seiner Beliebtheit. Wenn Ihnen seine Illustrationen abstoßend oder zu abstrakt erscheinen, kann das Lernen schnell zu bloßem mechanischem Auswendiglernen werden.

Machen Sie sich mit dem Aufbau des Tarot vertraut

Das klassische Deck besteht aus 78 Karten und gliedert sich in zwei große Gruppen — die Großen und die Kleinen Arkana.

Es gibt 22 Große Arkana. Sie spiegeln wichtige Lebensthemen, Zustände und Entwicklungsstufen der Persönlichkeit wider: zum Beispiel den Narren, den Magier, die Herrscherin, die Liebenden, das Rad des Schicksals, den Tod, den Stern und die Welt. Diese Karten werden gewöhnlich mit einschneidenden Veränderungen, inneren Lektionen und bedeutsamen Entscheidungen in Verbindung gebracht.

Es gibt 56 Kleine Arkana. Sie beschreiben eher alltägliche Ereignisse, Emotionen, Gedanken, Beziehungen und Handlungen und gliedern sich in vier Farben:

  • Stäbe — Aktivität, Energie, Initiative und Kreativität;
  • Kelche — Gefühle, Beziehungen und emotionale Erfahrungen;
  • Schwerter — Gedanken, Entscheidungen, Konflikte und geistige Tätigkeit;
  • Münzen — Geld, Arbeit, Gesundheit und die materielle Seite des Lebens.

In jeder Farbe gibt es Karten vom Ass bis zur Zehn sowie vier Hofkarten: Bube, Ritter, Königin und König. Zu Beginn genügt es, die allgemeine Logik dieses Systems zu verstehen — jede Karte einzeln auswendig zu lernen, ist in dieser ersten Phase nicht nötig.

Beginnen Sie mit den Großen Arkana

Für Anfänger ist es oft leichter, zunächst nur mit den Großen Arkana zu arbeiten: Es gibt weniger davon, und ihre Motive sind meist ausdrucksstärker und einprägsamer. Studieren Sie ein bis zwei Karten pro Tag. Stellen Sie sich beim Betrachten einer Karte folgende Fragen:

  • Was geschieht auf dem Bild?
  • Wer ist die Hauptfigur?
  • Welche Gefühle löst das Motiv aus?
  • Welche Farben und Symbole stechen hervor?
  • Was könnte diese Karte im Alltag bedeuten?
  • Worin liegen ihre starke und ihre schwache Seite?

Schlagen Sie erst nach Ihrer eigenen Betrachtung im Begleitbuch nach. Dieser Zugang schult die Fähigkeit, das Bild zu lesen, statt bloß auswendig gelernte Definitionen wiederzugeben.

Versuchen Sie nicht, eine einzige Bedeutung auswendig zu lernen

Ein verbreiteter Fehler von Anfängern ist das Bestreben, für jede Karte eine einzige exakte Deutung zu finden: etwa zu glauben, die Sonne bedeute immer Erfolg und der Turm ausschließlich Unglück.

Die Bedeutung einer Karte hängt von der Frage, ihrer Position in der Legung und den benachbarten Karten ab. Ein und dieselbe Karte kann ein Ereignis, einen Menschen, einen Gefühlszustand, ein Hindernis oder einen Rat beschreiben. Es ist sinnvoller, jede Karte über mehrere Bedeutungsebenen zu erschließen:

  • das Grundthema;
  • die positive Ausprägung;
  • die schwierige oder schattenhafte Ausprägung;
  • ein möglicher Rat;
  • die Bedeutung für Beziehungen, Arbeit und persönliche Entwicklung.

So entsteht ein flexibles Verständnis der Symbole.

Führen Sie ein Tarot-Tagebuch

Ein Tagebuch hilft, das Wissen zu ordnen und die eigenen Beobachtungen zu verfolgen. Darin können Sie festhalten:

  • den Namen der Karte;
  • den ersten Eindruck vom Bild;
  • die wichtigsten Symbole;
  • die traditionellen Bedeutungen;
  • persönliche Assoziationen;
  • Beispiele aus dem Leben;
  • die Ergebnisse durchgeführter Legungen.

Besonders hilfreich ist die Übung der „Tageskarte“. Ziehen Sie am Morgen eine Karte und notieren Sie, welche Ereignisse oder welche Stimmung sie widerspiegeln könnte. Kehren Sie am Abend zu Ihrer Notiz zurück und betrachten Sie, wie sich das Thema der Karte gezeigt hat.

Sie müssen nicht jedes Ereignis an die gezogene Arkana anpassen. Ziel der Übung ist es, die Beobachtungsgabe zu schulen und das Verständnis der Symbolik zu erweitern.

Eignen Sie sich einfache Legungen an

Beginnen Sie nicht mit komplexen Schemata aus zehn oder mehr Karten: Je mehr Positionen eine Legung hat, desto schwerer sind die Zusammenhänge zwischen den Bedeutungen zu erkennen. Für die ersten Übungen eignen sich Legungen mit einer oder drei Karten.

Eine einzige Karte kann folgende Fragen beantworten:

  • Worauf sollte ich achten?
  • Was hilft mir in dieser Situation?
  • Welcher Ansatz wäre am hilfreichsten?
  • Was übersehe ich bislang?

Eine Legung mit drei Karten lässt sich nach folgenden Schemata verwenden:

  • Situation — Hindernis — Rat;
  • Vergangenheit — Gegenwart — mögliche Entwicklung;
  • Gedanken — Gefühle — Handlungen;
  • Stärke — Schwäche — nächster Schritt.

Bemühen Sie sich, offene Fragen zu stellen. Statt „Werde ich Erfolg haben?“ fragen Sie besser: „Was hilft mir, ein Ergebnis zu erreichen?“ oder „Welche Faktoren beeinflussen die Situation?“

Lernen Sie, Kartenkombinationen zu erkennen

Der nächste Schritt besteht darin, die Karten nicht einzeln, sondern als eine zusammenhängende Erzählung zu lesen. Achten Sie darauf:

  • ob sich bestimmte Farben wiederholen;
  • ob viele Große Arkana vorkommen;
  • ob eher aktive oder ruhige Motive überwiegen;
  • ob die Figuren einander ansehen;
  • ob die Bedeutungen der Karten einander verstärken oder widersprechen.

Versuchen Sie, die Legung mit einfachen Worten wie eine kurze Geschichte zu beschreiben, und fügen Sie erst danach Fachbegriffe und Bedeutungen aus dem Begleitbuch hinzu.

Nutzen Sie eine einzige Hauptquelle

In der Anfangsphase kann eine große Zahl von Büchern, Websites und Videokursen verwirren: Die Autoren geben ein und derselben Karte oft unterschiedliche Bedeutungen. Wählen Sie ein verständliches Lehrbuch oder einen Kurs und halten Sie sich eine Zeit lang an dessen System.

Zusätzliche Quellen ziehen Sie besser später hinzu, wenn eine solide Grundlage entstanden ist. Dabei sollte das Begleitbuch die eigene Beobachtung nicht ersetzen: Es bietet eine Deutungstradition, doch die Fähigkeit, mit dem Tarot zu arbeiten, entwickelt sich durch den Vergleich von Theorie und Praxis.

Beeilen Sie sich nicht, umgekehrte Karten zu lernen

Umgekehrte Karten können eine Verzögerung, die innere Ausprägung einer Eigenschaft oder einen Mangel bzw. ein Übermaß an bestimmter Energie anzeigen. Für Anfänger erschweren sie die Arbeit jedoch oft nur.

Zu Beginn können Sie alle Karten in aufrechter Position verwenden. Sind die grundlegenden Bedeutungen erst einmal klar, lassen sich die umgekehrten Positionen leichter in die Praxis einbeziehen. Viele erfahrene Praktizierende verwenden umgekehrte Karten gar nicht und erschließen schwierige Bedeutungen über Kontext und Kombinationen — ihr Studium ist daher keine zwingende Voraussetzung.

Wahren Sie ethische Grenzen

Wenn Sie Legungen für andere Menschen machen, ist es wichtig, sich der Verantwortung bewusst zu sein. Sie sollten niemandem Angst machen, keine unausweichliche Zukunft mit Bestimmtheit verkünden und keine Entscheidungen für den anderen treffen.

Das Tarot ersetzt keine ärztliche, psychologische, juristische oder finanzielle Beratung. Seien Sie besonders vorsichtig bei Fragen zu Gesundheit, Finanzen, Rechtsstreitigkeiten und Sicherheit: Wichtige Entscheidungen erfordern die Überprüfung der Fakten und professionelle Hilfe.

Eine hilfreiche Deutung lässt dem Menschen die Freiheit der Wahl. Sie hilft, die Umstände, mögliche Folgen und verfügbare Handlungsoptionen zu erkennen, gibt aber Vermutungen nicht als bewiesene Fakten aus.

Vermeiden Sie typische Fehler

Zu Beginn des Lernens ist es wichtig, nicht zu viel von sich zu verlangen. Zu den häufigsten Fehlern gehören:

  • der Versuch, alle 78 Karten in wenigen Tagen zu lernen;
  • der ständige Wechsel von Decks und Systemen;
  • das wiederholte Stellen derselben Frage, um die gewünschte Antwort zu erhalten;
  • das wörtliche Verstehen beängstigender Bilder;
  • die Abhängigkeit vom Begleitbuch;
  • zu kategorische Schlussfolgerungen;
  • das Fehlen von Aufzeichnungen und der Auswertung der Praxis.

Regelmäßige kurze Übungseinheiten sind meist wirksamer als seltene, stundenlange Versuche, das ganze System auf einmal zu behalten.

Ein einfacher Lernplan für den ersten Monat

Machen Sie sich in der ersten Woche mit dem Aufbau des Decks vertraut und studieren Sie einige Große Arkana: Betrachten Sie die Bilder, notieren Sie Ihre Assoziationen und vergleichen Sie sie mit dem Begleitbuch.

Setzen Sie in der zweiten Woche das Studium der Großen Arkana fort und beginnen Sie, eine Tageskarte zu ziehen. Machen Sie sich in der dritten Woche mit den vier Farben der Kleinen Arkana vertraut und versuchen Sie, den Charakter jeder Farbe und die Logik der Zahlenkarten zu verstehen. Beginnen Sie in der vierten Woche mit Legungen zu einer und zu drei Karten und halten Sie dabei die Frage, die gezogenen Karten, die anfängliche Deutung und die späteren Beobachtungen fest.

Mit diesem Plan werden Sie das Tarot nicht in einem Monat vollständig beherrschen, doch er schafft eine solide Grundlage für das weitere Lernen.

Fazit

Das Erlernen des Tarot beginnt nicht mit dem mechanischen Auswendiglernen Dutzender Bedeutungen, sondern mit einer aufmerksamen Auseinandersetzung mit den Bildern und dem Aufbau des Decks. Wählen Sie ein verständliches System, studieren Sie die Karten Schritt für Schritt, führen Sie ein Tagebuch und machen Sie regelmäßig einfache Legungen.

Mit der Zeit fügen sich die einzelnen Symbole zu zusammenhängenden Geschichten, und die Bedeutungen werden flexibler und verständlicher. Das Wichtigste ist, sich Neugier, kritisches Denken und den Respekt vor den persönlichen Grenzen des Menschen zu bewahren, für den die Legung gemacht wird.